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Mein Leben mit der Spenderniere

Posted by sura1 - 14. Mai 2008

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Nierentransplantation am 4. Juni 2006

Am Samstag, dem 3. Juni 2006 saß ich am Vormittag um ca. 10,30 Uhr in meinem Wohnzimmer. Ich hatte gerade etwas gegessen und sah mir nun einen Film im Fernsehen an.

Da klingelte plötzlich das Telefon; ich sah, dass der Anruf von der Dialysestation war! Zu diesem Zeitpunkt konnte ich jedoch nicht wissen, dass für mich eine Spenderniere zur Verfügung stehen würde. Ich bekam sehr oft am Tage einer Blutwäsche Anrufe von meinem Arzt. Man hatte schon mehrmals den Dialyse-Termin verschoben oder vorverlegt.

Doch dieser Anruf war anders. Die zuständige Krankenschwester sagte mir, ich solle meine Koffer packen und umgehend zur Blutwäsche nach Klagenfurt kommen. Man hatte für mich nach einer Wartezeit von kaum etwas mehr als 7 Monaten eine Spenderniere gefunden. Die Niere würde aus Brüssel nach Wien geflogen, der für mich bis heute unbekannte Spender sei bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Das war das einizige, was ich über die Niere erfahren sollte.

Mein Herz fing wie wild an zu pochen, ich wußte nicht, was ich denken sollte. Ich war so erfreut, dass ich zuerst gar nicht wußte, was ich machen sollte. Ich packte in aller Eile meine schon vorbereiteten Sachen und rief meine Ex-Frau an. Obwohl wir schon seit fast einem Jahr getrennt voneinander lebten, kamen wir noch immer sehr gut miteinander aus. Das hat sich auch bis heute nicht verändert.

Also! Meine Ex-Gattin Annemarie brachte mich mit dem Auto zur Dialysestation nach Klagenfurt. Ich wurde ein letztes Mal an das Dialyse-Gerät angeschlossen. Um ca. 16,00 Uhr war ich mit der Blutwäsche fertig. Danach wurde ich mit einem Rettungswagen des Roten Kreuzes Klagenfurt in das Allgemeine Krankenhaus nach Wien (AKH) gefahren. Begleitet wurde ich dabei wieder von Annemarie. Ich hatte sie darum gebeten und wie selbstverständlich fuhr sie mit nach Wien, um mir in den schweren Stunden zu helfen und mir beizustehen.

Gegen 19,30 Uhr kamen wir in Wien im AKH an. Ich wurde stationär aufgenommen; danach mußte ich mehrere Test bestehen, bis feststand, dass ich die neue Niere bekommen könnte. Ich habe mich dann von meiner Ex verabschiedet; sie fuhr mit dem Rettungswagen wieder nach Kärnten.

Für mich begann danach die längste Nacht meines Lebens. Nachdem die letzten Tests bestätigten, dass die Niere aus Belgien transplantiert werden kann, wurde der Termin für die Operation für 06,00 Uhr des nächsten Tages festgesetzt. Ich sollte also genau am Pfingssonntag des Jahres 2006 die Spenderniere bekommen.

Es geht endlich los……

Ich konnte in der Nacht vor der Operation kein Auge zumachen; ich war einfach zu nervös. Mir gingen die wildesten Gedanken durch den Kopf. Irgendwie hatte ich Angst, auf der anderen Seite freute ich mich unheimlich, weil damit die quälende 3-malige Blutwäsche pro Woche endlich ein Ende haben würde.

Als in knapp vor 06,00 Uhr in den Operationssaal geschoben wurde, war ich dann so ruhig, wie noch nie in meinem Leben. Ich hatte absolut keine Angst mehr – vielmehr freute ich mich; ich war fest davon überzeugt, dass alles gutgehen würde. Mit diesen Gedanken bin ich dann am Operationstisch eingeschlafen……

Soweit ich mich heute noch erinnern kann, war meine erste Frage an die Krankenschwester im Aufwachraum, ob die Spenderniere schon „angesprungen“ sei. Sie lachte und sagte, dass alles in Ordnung sei und die Spenderniere noch am Operationstisch ihre Tätigkeit aufgenommen hatte. Obwohl ich durch die Narkose noch einigermaßen betäubt war, freute ich mich wie ein kleines Kind.

Als ich nach einiger Zeit in mein Krankenzimmer geschoben wurde, hatte ich nichts besseres zu tun als die Krankenschwester nach meinem Handy zu bitten. Ich habe so ziemlich alle Personen, deren Telefonnummer ich gespeichert hatte, angerufen. Meine Mutter hat mir am nächsten Tag mitgeteilt, dass ich ziemlich wirre Sachen mit ihr am Telefon besprochen hatte. Auch meine 3 Schwestern und 4 Brüder und all die anderen Freunde und Bekannten waren sehr überrascht, dass ich schon so bald nach der Operation rumtelefonierte und wirres Zeug redete.

Ich hatte all die Telefonate bereits zwischen 14,00 Uhr und 15,00 Uhr geführt!! Kaum 5 Stunden nach der Operation!!!!

Das ist mein Bett in Krankenzimmer im AKH in Wien; hier verbrachte ich die nächsten 12 Tage.

Louis Armstrong – What A Wonderful World

Interessante Links zur Nierenspende:

de.wikipedia/Nierentransplantation
www.nierenlebendspende.de

Demnächst hier: meine ersten Tage mit der Spenderniere…………

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